Leitgedanken zum Natürlichen - Klassischen - Reiten

Klassisches Reiten hat viele Gesichter. Manchmal ist es sehr schwierig zu differenzieren, was klassisches Reiten ist und was nicht.   

Beim klassischen Reiten geht es primär nicht um eine Reitweise, sondern um eine erforschte, natürliche Ausbildungsmethode in der die Gesunderhaltung des Pferdes, die physische und psychische Weiterentwicklung des Pferdes im Vordergrund stehen. Die Motivation des Menschen besteht in der Liebe zum Pferd und zur Harmonie.

So gesehen ist klassisches Reiten eher eine (Lebens)Einstellung, als eine Reitweise. Man hat aber durch klassisches Reiten geradezu die ideale Basis sich einer Zweckreiterei zuzuwenden. Je mehr echte „Klassiker“ sich in einer Zweckreiterei bzw. Reitweise bewegen, umso pferdegerechter wird es dort zugehen.

Die klassische Reitkunst verwahrt sich gegen zwanghafte Schnellverfahren, und plädiert für harmonische, ruhige Ausbildung.

Klassische Ausbildung ist natürliche Ausbildung, d. h. die Natur des Pferdes bestimmt die Ausbildung. Das Pferd zeigt dem Ausbilder welchen Weg es gehen kann. Da haben Schablonen- oder Scheuklappendenken keinen Platz. Nuno Oliveira brachte es auf den Punkt: „Reiten ist die Suche nach Schönheit, Geradlinigkeit und Wahrheit“. Suchen meint nicht nicht wissen, sondern durch große Pferdekenntnis den individuellen Weg des jeweiligen Pferdes finden.   

Das Pferd wird nicht von seiner Natürlichkeit weggeführt, sondern eher hin. Kraftsport ist out, feiner und leichter Umgang und harmonisches losgelassenes Reiten in.

Das Reiz- Reaktionsprinzip mit ständiger Hilfenreduktion das im Aussetzen aller Hilfen gipfelt, die Förderung von Balance und Effizienz ergeben Leichtigkeit. Diese Grundlagen  passen zutiefst zum Wesen des Pferdes.

Natürlichkeit steht konträr zur Zwanghaftigkeit, sekundär zu spielerisch. Unnatürliches Komprimieren des Pferdes zwischen starker Hand und starkem Bein, steht Bein ohne Hand – Hand ohne Bein und Balance als natürliche Alternative gegenüber.  

Anlehnung entsteht nicht aus der Hand, sondern ist die Folge der passenden Gymnastisierung. Den Bewegungsfluss aus der Hinterhand gilt es zu fördern, nirgends zu unterbrechen, so dass er jeden Körperteil des Pferdes erreicht, und ist über Lektionen gewinnbringend zu kanalisieren. Gewinnbringend meint das Pferd wird symmetrischer und ausbalancierter auf der Hinterhand, quasi auf die Hinterhand eingestellt. Der Grad der Balance, der Selbsthaltung, Rückentätigkeit und Schwungentfaltung zeigt uns den Ausbildungsstand des Pferdes.   

Die beste Hilfengebung ist keine Hilfengebung(Minimalismus durch Balance und Eindeutigkeit). 

In Frankreich kam es um 1780 zur Trennung der militärischen (Zweck)Reiterei von der nunmehr „akademischen Reitkunst“ in der Tradition Pluvinels und La Guerineres, ebenso in Preußen. In Österreich gab es eine Vermischung bzw. eine Ergänzung von Beiden. Davon profitiert heute noch die spanische Hofreitschule in Wien. In der damaligen Trennung liegen sicher mit auch die Missverständnisse und verschiedenen Meinungen zur klassischen Reiterei bis heute begründet.

 

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